ERZHERZOG LUDWIG SALVATOR Der Prinz des Mittelmeeres

LUDWIG - SALVATOR - GESELLSCHAFT

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Zitate

Die folgenden Zitate Ludwig Salvators stammen vorwiegend aus seinen Werken und betreffen insbesondere die Themen Natur, Schifffahrt, Meer und Mensch. Sie werden laufend ergänzt.

Steuerrad

Allgemein:

„Chi fa da sé fa per tre“ („Wer es selber macht, macht es für drei“)

(auf die Frage eines Postbeamten, weshalb der Erzherzog die Post persönlich – und nicht von einem Diener – zum Postamt bringe)


„Lieber vielfältig als einfältig.“

(Reaktion von Ludwig Salvator, als er wieder einmal auf seine knittrige und unordentliche Bekleidung angesprochen wurde)


„Nennen Sie mich einfach Schriftsteller Neudorf!“

(Reaktion Ludwig Salvators, als er entgegen des gewünschten Inkognitos von einem österreichisch-ungarischem Konsularbeamten mit „Kaiserliche Hoheit“ angesprochen wurde.


„Ich habe Angst, dass mir das Zeichnen mit der Feder dann nicht mehr gefällt.“

(Der Erzherzog auf die Frage von Prof. Spyridion de Biasi, weshalb er nicht fotografieren wolle)

Über seine Werke:

„Viele werden sie (Anmerkung: gemeint sind seine „Sommerträumereien am Meeresufer“,1912) mit einem höhnischen Lächeln wegwerfen, manche fein fühlende Seele wird aber dadurch viel leicht zu ähnlichen Träumereien verlockt und dann werden sie ihren Zweck er füllt haben.“

(aus „Sommerträumereien am Meeresufer“, 1912)


„Je mehr man eine Gegend studiert, desto bewusster wird man sich dessen, wie viel noch fehlt, um sie gründlich kennen lernen …. trotz der guten Absicht ist meine Arbeit wohl sicher voller Fehler, Auslassungen und Unrichtigkeiten. Trägt aber die Schrift, trotz aller ihrer vielen Mängel dazu bei, Zante, das goldene, lieben zu lernen, so hat sie ihren Zweck erfüllt.“

(aus „Zante“, 1904) 

 

Zum Thema Mensch/en:

„Eine Fülle von Idealen birgt das menschliche Leben und glücklich derjenige, der sie bis an den Abend seiner Tage bewahrt!“

(aus „Stromboli“, Band 7 der „Die Liparischen Inseln“)

„Letzthin war die Sonne schon längst versunken und es dämmerte am Meere, die Sterne spiegelten sich mild ab auf seiner spiegelglatten Fläche. Wie kleinlich sind doch die Menschen mit allen ihren Streitigkeiten gegen diese Menge von Welten, von denen viele größer als die unsrige bewohnt sind, vielleicht von Wesen, die noch viel vollkommener sind als wir.“

(aus „Sommerträumereien am Meeresufer“, 1912)

  

„Wie viele vorgefasste Meinungen, wie viele Vorurteile werden beim Kennen eines anderen Volkes, beim Leben in seinem Lande abgestreift. Ich behaupte, daß, wenn sich die einzelnen Völker besser kennten, sie sich auch nicht anfeinden würden.“

(aus „Einiges über Weltausstellungen“, 1911)


„Während meines Aufenthaltes auf Helgoland fuhr ich gerne mit den Fischern aufs Meer hinaus; die Gesellschaft jener einfachen Menschen ist einem viel angenehmer, ich möchte sagen auch lehrreicher, als die mancher Gebildeten.“

(aus „Helgoland“, 1890)


„Ich behaupte immer, nie mit einem Menschen zwei Stunden gesprochen zu haben, ohne von ihm etwas gelernt zu haben.“

(aus „Einiges über Weltausstellungen“, 1911)


„Es gibt auf der Welt so viele Menschen, die sich für wichtig erachten und doch unbemerkt von der großen Menge dahinziehen, wie hier der einsame Segler.  Je mehr man die Welt kennt, um so mehr überzeugt man sich, wie gering man ist, wenige hervorragende Menschen ausgenommen, die eine tiefe Furche auf dem Weltmeer zurücklassen. Die Spur der meisten verschwindet mit derselben Raschheit, mit welcher eine Welle die andere treibt. Menschen, die in einem Lande als groß und hervorragend gelten, sind im anderen Lande ganz unbekannt und es gibt Menschen, die töricht eitel sind, zu glauben, daß sich ein  jeder mit ihnen beschäftigt.“

(aus „Sommerträumereien am Meeresufer“, 1912)


„Mir graute es jedesmal, wenn ich an dem vergitterten Portale eines Reichen vorüberkam, wo niemand hinein durfte und wo Diener wie Phantome still und ruhig dahinwandelten, ihren gelangweilten Herrn nur mit ihrer Gegenwart langweilend, und es lachte schon mein Herz, wo ich an einem offenen Beduinen-Zelt vorüberkam, wo die Kinder scherzten und gellten, wo in der Nähe die Kameele brüllten, die Pferde wieherten und die Zicklein blöckten. Es ist rührend anzusehen, welche Zärtlichkeit alle die Thiere dieser Naturmenschen für den Menschen haben, mit dem sie leben, mit dem sie an kalten, regnerischen Tagen das Zelt theilen. Ach, da habe ich häufig ausgerufen: „Das Glück ist in der Freiheit, in der Wüste!“ … „Denn mir hat nie etwas eine Freude bereitet, was Anderen unangenehm gewesen wäre, und ich habe immer nur in der Freude meiner Mitmenschen ein Vergnügen erblickt.“

(aus „Ramleh als Winteraufenthalt“, 1900)


„Viele Menschen glauben, man müsse immer arbeiten, um etwas zu leisten. Die Orientalen verstehen mehr das Träumen als andere, denn ihr Kef ist häufig ein tiefes Nachdenken, ein Ergründen von Dingen, auf die einer, der weniger denkt, gar nicht kommen dürfte. Und doch wird der Franke auf sie verwerflich blicken und sagen, sie arbeiten nicht.*

(aus „Sommerträumereien am Meeresufer“, 1912)


 

„Manchmal dachte ich so nach und auf liebe Bekannte; aber ich war allein, denn in dem Maße, wie die Menschen älter werden, ist es schwieriger, daß sie miteinander bekannt werden. Hauptsächlich weil sie weniger offenherzig sind; sie zeigen sich mehr so, wie sie sein sollten, als so, wie sie wirklich sind. Ein Fehler, der in der Jugend vielleicht, weil von dem anderen besessen, kein Grund der Abstoßung, sondern vielIeicht sogar der Annäherung wäre, wird gleich als etwas trennendes betrachtet. Denn das Urteil ist strenger; und sollte man selbst den gleichen  Fehler auch haben, so will man es nicht gestehen. Auch bildet sich die Anhänglichkeit schwieriger, braucht längere Zeit, deswegen ist es notwendig, bevor man von jemandem sagen könne, daß man ihn kenne, daß Jahre, ja Jahrzehnte vergehen. Manchmal wird man das ganze Leben nebeneinander traben, ohne sich gegenseitig kennen zu lernen. Dies hängt auch von dem Umstande ab, daß man, um sich kennen zu lernen, besondere Verhältnisse braucht. In dem alltäglichen Einerlei wird man sich nicht kennen lernen und dieses wird, ohne besondere Umstände manchmal Jahre lang dauern. Eine Kleinigkeit sagt manchmal mehr in einer Minute, wie ein Jahrzehnte langes Zusammenleben.“

(aus „Lieder der Bäume“, 1914)


Vielleicht trägt das Büchlein dazu bei, die Aufmerksamkeit der Auswanderer dahin zu lenken, wo es ihnen gegönnt ist, sich ein friedliches und angenehmes Heim zu schaffen.“

(aus „Eine Blume aus dem goldenen Land oder Los Angeles“, 1878)


„Sonderbarer Weise beschäftigen sich die Menschen am meisten mit den Thaten derjenigen, die ihnen Schaden zufügten. Die Geschichte derselben wird nach allen Arten und Richtungen hin geschrieben und mit Gier gelesen. Falschen Gelehrten, welche durch ihre irrigen Lehren die Fackel des Glaubens in den jugendlichen Herzen erlöschten, Empörern, die ein ruhiges Land in Feuer und Flammen setzten, Eroberern, welche Hunderttausende zur Schlachtbank führten – ihnen wird ein Denkmal errichtet und mit grinsendem Lächeln blicken ihre ehernen Figuren vom hohen Marmorsockel auf die zu ihren Füssen wogende Menge, die blindlings neuen Zerstörern ihres Wohlergehens neue Statuen errichten wird. Um die Geschichte wohlthätiger Wesen, welche ihre Mitmenschen liebten, ihnen halfen, um die kümmert man sich kaum; ihre Stimme verhallt ungehört wie die der nützlichen Singvögel in der Waldesstille verklingt und verschwimmt in dem Meere der auf einander folgenden Menschenwogen. Wie einsame, aber wohlriechende Blümchen keimen sie auf, entfalten sich, verbreiten ihren himmlischen Duft und vergehen ungesehen und unbemerkt. Und doch, um wie viel veredelnder wäre es, wenn man sich gerade mit der schlichten Geschichte dieser segenbringenden Geschöpfe beschäftigen würde, wie viele Beispiele von Tugend, von Sanftmuth, von Opferwilligkeit könnte man aus ihrem Leben lesen und ihr bescheidener Name, den sie zu Lebzeiten nicht ausposaunten, würde im dankbaren Herzen der folgenden Generationen fortleben, die ihre Erinnerung segnen möchte und aus ihrem Lebenswandel nützliche Lehren schöpfen würde, um wiederum nach Thunlichkeit Gutes zu wirken.“

(aus „Catalina Homar“, 1905)


„Wie du sonst Einen, und vielleicht auch diesen kaum, erfreut hättest, erfreust du jetzt Tausende. Ich habe dabei ein, wie­ wohl unverdientes Selbstgefühl, ungefähr wie der Vater, der neben seiner in einem Institute erzogenen Tochter mit Stolz dahinwandelt; doch mit grösserem Selbstbewusstsein, denn was dort das Geld schuf, hat hier die Negation des Geldes geschaffen. Und so zahle ich gerne die theuere Zeche und reibe mir froh die Hände bei dem Gedanken, wie viel Geld ich erspart, und wie viel Gutes ich geschaffen habe.“

(aus „Lose Blätter aus Abazia“, 1886 – Anmerkung: Ludwig Salvator war im heutigen Opatija zweimal die „Villa Angiolina zum Kauf angeboten worden. Er entschied sich jedoch gegen den Kauf und freute sich, dass diese großartige,direkt an den Strand grenzende Anlage später für das Publikum geöffnet und zum sommerlichen Zentrum des öffentlichen Lebens in der Stadt wurde.)


„Man muss mit den Arabern gelebt, mit ihnen so zu sagen ein Volk gebildet haben, mit ihren Sitten bekannt sein, um den ganzen Zauber des orientalischen Wesens zu gemessen. Man muss wirklich den vornehmen Ernst, den Anstand der arabischen Bevölkerung bewundern, die einen grellen Gegensatz zu dem europäischen Mob bildet. Da gibt es keine Schaar von Neugierigen, keine lästigen Zuschauer, und sitzt der eine oder andere Knabe in der Nähe und schaut er einem dann und wann im Vorübergehen bei der Arbeit zu, ist man verwundert über den Scharfsinn, das richtige Verständniss, die rasche Auffassungskraft dieser begabten, vornehmen Race. Man hat kaum einen Strich gezogen, und sie wissen schon, was es werden wird. Und dabei diese Wissbegierde! Sie haben einen ausgeprägten Zug der Lernlust und eine grosse natürliche Intelligenz. Was dieses Volk mit Bildung zu leisten im Stande wäre, das haben die Araber in Spanien und Sicilien bewiesen. Nur dürfen sie nicht zu Knechten werden, denn sie brauchen eine freie Entwicklung.“

(aus „Benzert“, 1897)


„Im Leben muß man vor allem Ausdauer und Beharrlichkeit haben …. Auf ewig neuen Wegen erreicht man kein Ziel man vergeudet nur die Zeit und verirrt sich.“

(aus einem Brief an Erwin Hubert, 1910)

Zum Thema Natur:

„Ich habe nie begreifen können, wie sich ein Mensch langweilen kann mitten in Gottes freier Natur; im kontemplativen Nichtsthun liegt doch ein Meer von Poesie.“


„Ein jeder lese im grossen Buche der Natur, das ist eine Lektüre, bei welcher man sich nicht die Augen anzustrengen hat, wie bei der Druckerschwärze, sondern nur Erholung und Genuss schöpfen wird. Sind es Eltern, denen das Bändchen in die Hände gerät, so mögen sie ihren Kindern gleich in den frühesten Jahren diese Liebe zur Natur und diese Freude an der geringsten Kleinigkeit in derselben einprägen, wie sie den Verfasser nie verliess, wie sie sich offenbart im Zittern eines Blattes in der Mittagsbrise, in dem Brechen einer Welle am Strande, im Flattern eines Schmetterlings oder im Summen einer Biene. Auf diese Weise werden Sie ihren Nachkommen das beste Mittel zur irdischen Zufriedenheit hinterlassen.“

(aus „Lose Blätter aus Abazia“, 1886)


„Viele Menschen denken nicht mit den eigenen Gedanken, sie bedürfen immer der Gedankenstütze anderer, eines Buches, einer Rede, ähnlich den Kletterpflanzen, welche einen Baum oder eine Wand benötigen, um sich zu entwickeln. Für diese wäre die beste Schule das Lesen im großen Buche der Natur, das einem offen steht und an dem so viele blind vorüberziehen, ohne zu bedenken, was sie aus demselben an Kenntnissen und Genuß schöpfen könnten. Mühsam werden schlecht gedruckte Bücher bei flatterndem Lampenlichte gelesen, wobei man sich die Augen verdirbt, oder die Treppen von Museen erklommen, um das zu sehen, was in der Natur treibend, lebend vorliegt und an dem gleichgültig vorübergezogen wird.Hat man sich aber diesen Kultus der Natur, der bei einigen angeboren, bei anderen erst anerzogen werden muß, angeeignet, so hat man einen Schatz gewonnen, den man überall mit sich führt und der uns bei jedem Schritt immer neue Freuden bereiten wird.“

(aus „Sommerträumereien am Meeresufer“,  1912)


„Viele glauben, daß sie sich, um ihre Tätigkeit zu entwickeln, immer nach außen offenbaren müssen, vergessen aber dabei die Entwicklung ihrer Tätigkeit nach innen zu richten, auf die Veredlung und Vervollkommnung ihres geistigen Wesens. Im Gewirre der äußeren Tatkraft vergessen sie das, was ihnen am allernächsten steht, sich selbst. Das kontemplative Leben wird als das Leben eines Faulenzers verspottet und die höchste Tätigkeit in der Veredlung seiner selbst verhöhnt. Dafür ist die Betrachtung der Natur, dieser großen, weiten Wunderwelt, die uns umgibt, um uns wirkt, lebt und webt, am geeignetsten, sie wird den Geist erhöhen und in der Überzeugung unserer Kleinlichkeit seelisch vervollkommnen, sie wird eine Quelle der Bewunderung für den Schöpfer sein, sich häufig in eine wahre Extase umwandeln und den göttlichen Funken unserer Seele entflammen.Und um diese herrlichen Bilder zu genießen, braucht man keine Kunstsammlungen reicher Herren, kein Museum einer Großstadt, überall stehen sie einem offen und genießbar, bei jedem Felsenufer der Welt. Es ist nur notwendig, daß man sie anzuschauen, sie zu schätzen und sie zu genießen lerne. Keine Kunst, wenn noch so vollkommen, vermag das wiederzugeben, was die Natur einem darbietet. Welche Etalage von Formen, welche Pracht von Farben, welche Mannigfaltigkeit sich vor dem erstaunten Auge entwickelt! Bedenke man nun, welcher Genuß einem jeden sich darbietet, der schon in seinen Kinderjahren dieser Wunderwelt des Meeres seine Aufmerksamkeit zu widmen beginnt. Keine Stunde wird ihm zu lang, mit wahrer Sehnsucht wird er am Ufer weilen, um den liebgewonnenen Geschöpfen nachzuspähen. Steigen seine Kenntnisse der Natur, so wird der Genuß damit auch steigen und das, was anfangs eine angenehme Zerstreuung war, wird in ihm zum Lebensstudium heranwachsen.“ 

(aus „Sommerträumereien am Meeresufer“,  1912)


„Die Betrachtung der Natur muß, richtig aufgefaßt, als ein Gebet angesehen werden, in welchem sich der Mensch vor dem Schöpfer all der Wunder demütig beugt. Denn, wie die arabischen Taleb sagen, ist jede Wissenschaft, welche nicht zur tieferen Erkenntnis Gottes führt, leer und zwecklos. Wie vieles bleibt uns unerklärbar und unergründlich bei unseren beschränkten Sinnen!“

 (aus „Sommerträumereien am Meeresufer“,  1912)


„Ich hasse überhaupt die Sucht, von der Natur erzwingen zu wollen, dass sie eine fremde Pflanze hervorbringe, welche dann nur kümmerlich aufkommt. Man pflanze solche Gewächse an, die wirklich gedeihen und man geniesst sie in ihrer Schönheit und Fülle.“


„Ein Gefühl der Wehmut ist es, welches die Betrachtung der Kastanienernte erweckt; es ist ja die letzte Frucht des Jahres, die nun eingeheimst wird, der Abschied von der schönen Sommerzeit tritt nahe heran. Unwillkürlich muss ich beim Anblick der Marroni stets an Frost und Kälte denken.“

(aus „Lose Blätter aus Abazia“, 1886)


„Man geniesse nur die Schönheit der Formen und Farben der Pflanzenwelt, freue sich des Anblicks am Morgen, wenn die Blumen ihre Kelche öffnen, und man wird mehr praktische Botanik lernen, als in manchem Lehrbuch. Vor Allem aber schone man sie, die lieben trauten Bekannten, man freue sich an ihrem Anblicke und denke, dass sich auch Andere daran ergötzen können. Was frommt es auch, wenn sie gepflückt sind? Bald sind sie verwelkt und vertrocknet, eine Mumie im Herbar, oder sie wandern mit Schmutz und Kehricht in den Staubkasten. Ich habe überhaupt einen Abscheu vor abgeschnittenen Blumen, sie haben für mich die Wirkung eines Cadavers, zum Studium zwar geeignet, aber sonst weg damit. Würde dieser Gedanke alle beseelen, dann würden die Blumen gar lange ihre Verehrer erfreuen.“

(aus „Lose Blätter aus Abazia“, 1886)


„Es gibt kein Buch, welches so lehrreich wäre, dessen Bilder so schön wären, wie das einfache Betrachten der Natur von Gottes schöner Schöpfung. Gebet, Belehrung, Erholung, Genuß, alles vereinigt sich darin. Man braucht dazu nicht vielleicht durch ihre Schönheit bevorzugte Gegenden aufzusuchen. Jede Gegend, mag sie noch so ärmlich aussehen, hat ihre Reize und Schätze, die man nur auszuforschen braucht. Pflanzen- und Tierwelt ist in ihrer Mannigfaltigkeit gleich anziehend; ob in der spärlichen Steppe oder im schwelgerischen Tropenlande, im Eismeere oder im warmen Golfstrome, überall sind gleiche Schätze zur Erforschung und Ergründung der Natur verschlossen. Die bescheidenen Lichene sind nicht minder anziehend wie die schlanken Palmen.Man muß sich im Betrachten nur Mühe geben, nichts soll dem spähenden Auge entgehen. Man wird sich nie sattsehen und immer Neues finden, dabei wird man sich nicht ermüden, denn eine solche Betrachtung ist ein Genuß.“

(aus „Sommerträumereien am Meeresufer“, 1912)


„Die Ruhe der Natur wirkt auf mich belebend und stärkend, wie gerne möchte ich aus diesem Becher des stillen kontemplativen Meeresgenusses in vollen Zügen schlürfen! Aber der Dämon des Wandertriebes gönnt mir keine Rast! Hinaus führt er, hinaus in die Ferne, die mich mächtig anlockt. Wie viele Freunde, die mich erwarten! Welch süsses Wiedersehen nach Monaten – nach Jahren!“.


„Deswegen wirkt auch die Betrachtung der Natur so beruhigend auf das Gemüt, weil sie die natürliche Wiederkehr der Seele zum Schöpfer ist, die in ihrer Anbetung alle seine Wunder aufzählt. Deswegen haben schon von alters her Menschen, welche sich dem kontemplativen Leben widmeten, möglichst schöne Plätze ausgesucht, um durch die umgebende Natur schon mehr dazu angeregt zu werden. Auch die Wärme, welche beruhigend wirkt, treibt zum kontemplativen Leben.“ 

(aus „Sommerträumereien am Meeresufer“,  1912)


Man suche überhaupt in diesem bevorzugten Erdenwinkel nur Ruhe und Naturfreuden, lasse die Stunden ruhig dahinfliessen, das Herz voll Heiterkeit und Freude, und hebe nur den Blick zu Gott in ewiger Bewunderung für die Schöpfung und in Dankbarkeit für die Glückseligkeit des Augenblicks!

(aus „Lose Blätter aus Abazia“, 1886)


„Ein Sandstrand hat für mich immer eine eigene Poesie besessen, die Wellen sind nicht durch vorstehende hinausragende Riffe gebrochen oder eingeengt, sondern sie kommen frei, unabhängig an’s Ufer, wo sie sich brechen, allerhand Formen annehmend. Stunden und Stunden kann man da sitzen und auf das sich stets ähnliche, aber nie ganz wiederholende Schauspiel sehen. Eine Welle sieht gänzlich der anderen gleich, und jede scheint, wenn sie sich am Strande bricht, die eigene Seele im letzten Seufzer auszuhauchen.“

(aus „Ramleh als Winteraufenthalt“)


„Die Welle will nicht vorwärts, sie wälzt sich über sich selbst, liebkosend, wie im Spiele, und dehnt sich sanft, silberverbrämt, am sammtartigen Strande. Man möchte sagen, dass alle Silber-Filigranarbeit der Welt sich eingefunden hätte, um ihr diese Verbrämung zu machen, manchmal glaubt man, es seien tausende von Perlen, die sie wälzt, manchmal wieder, wenn sie höher empor steigt und die Gluth der untergehenden Sonne in ihrer Höhlung widerspiegelt, dass sie mit tausenden von Rubinen
ausgelegt wäre. Und blickt sie tief und dunkel nachdenkend hinab und spiegelt sich das Grün der Seetange in ihren Aushöhlungen wieder, dann scheint sie mit tausenden von Smaragden austapeziert zu sein. Aber das Blau des Himmels, den sie ewig zurückspiegelt, ist ihre Lieblingsfarbe, und stets bleibt sie silberverbrämt, ob sie am See-Ufer rauscht oder ob sie sich darauf wälzt, sanft liebkosend und scherzend.“

(aus „Ramleh als Winteraufenthalt“) 

Zum Thema Meer/Schiff:

„Wind und Wellen brauche ich.“

(aus „Lose Blätter aus Abazia“, 1886″)


„Ja es ist doch dieselbe Art, das selbe Meer, dieses schöne liebe Mittelmeer, das mit allen seinen Ufern, wiewohl drei verschiedenen Weltteilen gehörig, ein einziges gleiches Land zu bilden scheint. Das Meer, das Barth mit Recht das Becken der Civilisation nannte.“

(aus „Bougie. Die Perle Nord-Afrikas“, 1899)


„Ein Schiff ist überhaupt wie eine selbständige kleine Welt; ähnlich einer ländlichen Heimstätte hat es obendrein den Vorteil, dass sich an dasselbe Erinnerungen knüpfen an die Gegenden, die es durchsegelte. Darum fortwandern, und immer reicher wird der Kranz der Erinnerungen. Das Schiff wird dann zum Kaleidoskop, durch welches sich in der Phantasie die tausendfältigen Bilder wiederholen. Es ist ein Landhaus, aber nicht mit abrutschenden Hängen, dem verwilderten Garten und den verdorrten Waldriesen, die man mit Wehmut fallen sieht, sondern ein Landhaus inmitten ewiger Jugend, denn nur das Meer bleibt auf unserem Erdball ewig jung, und noch dazu ein Haus, das man weiter bewegen kann, sobald man der genossenen Aussicht satt wurde.“

(aus „Lose Blätter aus Abbazia“, 1886)


„Das Meer stärkt, kräftigt und veredelt. Wie viele edle Gedanken hat das Meer nicht erweckt! Und selbst in seinen Gefahren liegt etwas Gutes, sie stählen den Charakter und bringen die Seele dem Schöpfer näher!“

(aus „Cannosa“, 1897)


„Welche Quelle des Sinnens und Nachdenkens bietet überhaupt dieses Zuschauen an der Meeresküste. Täte man nichts anderes, so hätte man schon daraus zum Nachdenken genug für das ganze Leben.“

(aus „Sommerträumereien am Meeresufer“, 1912)

Zum Thema Orient:

„Ich habe mich häufig gewundert, mit wie wenig die Orientalen etwas zu schmücken wissem; dies liegt aber darin, dass das Schöne nur wenige einfache Linien und richtige Verhältnisse braucht.“

(aus „Bizerta und seine Zukunft“, 1881)


„Seit Tagen war es nicht so ruhig gewesen; man möchte sich im Schatten der Felsen ausstrecken und ruhen, wie die Flut ruht. Es erfaßt einen ein Gefühl innerlichen Wohlergehens, man spürt, daß der Mensch von Natur aus für die Wärme geschaffen ist. Es ist keine Faulheit, es ist ein behagliches Gefühl, eine Sehnsucht nach dem Kef der Orientalen. Man möchte, daß die Sonne nicht sinken würde, daß sie oben stünde als Herrscherin, thronend über dem Meere und dem Lande. Mit einer gewissen Bangigkeit sieht man, wie die Schatten länger werden und wie der Abend naht; man möchte ihn aufhalten, verlängern, diesen Genuß von Licht und Sonne. Da träumt es sich gerne und man starrt die Wölkchen an, die sich hinter irgend einer Höhe zerstreuen, um zu sehen, von welcher Seite die Luft weht; so ruhig ist es geworden.“

(aus „Sommerträumereien am Meeresufer“, 1912)

 

Zum Thema Kunst:

„Als Frucht der Naturbetrachtung ist auch die Kunst anzusehen, welche als Endziel die Darstellung des Schönen aus derselben innehat und in dieser Darstellung ist sozusagen die Verkörperung des Gebetes.“

(aus „Sommerträumereien am Meeresufer“, 1912) 


„Die Ausstellung in London (Franco british) kann als eine sehr gelungene bezeichnet werden ….. Voll herrlicher Kunstwerke ist das Palais der schönen Künste. Nichts mehr von der Secession, die prachtvollsten Landschaften in schönstem wahren Kunstgeschmack.“

(aus einem Brief an Erwin Hubert, 190