ERZHERZOG LUDWIG SALVATOR Der Prinz des Mittelmeeres

LUDWIG - SALVATOR - GESELLSCHAFT

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Ludwig Salvators "Tabulae Ludovicianae"

Das unentbehrliche Feldforschungsinstrument des Erzherzogs

Wichtiger Grundstein für die wissenschaftliche Tätigkeit von Ludwig Salvator war die Verfassung der „Tabulae Ludovicianae“ im Jahr 1869, die ein höchst beeindruckendes Kompendium einer Art ausführlicher, nach Themen geordneter, bis ins kleinste Detail gehender Frage- bzw. Erhebungsbögen in mehreren Sprachen darstellten. Diese reichten über eine lange Reihe wissenschaftlicher Disziplinen, wie z. b. Paläontologie, Geologie, Geografie, Klimakunde, Zoologie und Botanik über die Geschichte und Archäologie bis hin zur Ethnografie und Linguistik, berührten Bereiche wie Wirtschaft, Handel, Industrie, Bevölkerungsverhältnisse, Gesundheits- und Bildungswesen, Religion und Kirche, Behörden und Kommunikationsmittel und wurden so zu einer unentbehrlichen Grundlage seiner späteren Werke.

Besonders auffällig ist der enzyklopädische Charakter der „Tabulae“, der auch in Salvators Werken, ganz besonders jedoch in den „Balearen“ höchst anschaulich in den zahlreichen, von ihm selbst angefertigten Illustrationen zum Ausdruck kommt, die Objekte und Gerätschaften nicht nur um ihrer selbst willen abbilden, sondern stets bestrebt sind, sie ihrem Umfeld, ihrer Funktionsweise und Handhabung darzustellen. Diese wissenschaftliche Methodik unterscheidet auch das Werk Ludwig Salvators von anderen, zum Teil auch sehr ambitionierten Reisebeschreibungen aus der Feder Angehöriger von Adelskreisen oder Mitgliedern des Kaiserhauses.

In seiner wissenschaftlichen Arbeit beschränkte sich Ludwig Salvator nicht nur auf eigene Beobachtungen, persönliche Schilderungen und Zeichnungen, sondern stützte sich, abgesehen von bibliografischen Studien, sehr wohl auf systematische Feld- und Archivforschungen, wozu er sich der Zusammenarbeit mit ortskundigen Spezialisten in Form von Wissenschaftern und Gelehrten, aber auch schriftkundigen einheimischen Gewährsmännern wie Geistliche, Lehrer, Bibliothekare, Archivbeamte, Gemeindesekretäre oder lokal ansässige Informanten wie Angehörige von Zivil- und Militärbehörden, Konsularbeamte bediente, die allesamt in der Schlussbemerkung der „Tabulae Ludovicianae“ ausdrücklich gebeten und darauf hingewiesen werden: „Alle, die in diesen Tabellen enthaltenen Notizen werden in so detaillierten Angaben als möglich gewünscht. Je spezieller auf Jahre, Monate und kleinere Kreise eingegangen wird, umso gesuchter sind sie“. Seine vielseitigen und ausgezeichneten Sprachkenntnisse kamen Ludwig Salvator ebenso wie sein schlichtes Auftreten, das ihn äußerlich kaum von einem einfachen Bauern oder Seemann unterschied, im Rahmen seiner Feldforschung besonders im Umgang mit der einheimischen Bevölkerung zugute, die sich ihm dadurch in viel unmittelbarerer Weise eröffnete und ihm nicht nur bereitwilligst auf alle Fragen Auskunft gaben, sondern auch als Modelle für zahlreiche Illustrationen diente. Ludwig Salvator setzte sein derartiges Auftreten jedoch nicht als Technik zum authentischen Informationsgewinn ein, es entsprach vielmehr seiner Wesensart und seiner auf Fleiß und Bescheidenheit ausgerichteten Erziehung.

Ludwig Salvators wissenschaftlicher Mitarbeiterstab umfasste zwei Gruppen. Die erste Gruppe bestand im Wesentlichen aus jenen Informanten, die in direktem Zusammenhang mit den „Tabulae“ stehen oder Material lieferten, welches von Salvator in den jeweiligen Werken verarbeitet wurde. Stellvertretend seien hier nur drei von vielen genannt, nämlich die beiden Mitarbeiter für den Bereich der Balearen, der sprachkundige Gelehrte und Historiker Francesco Manuel de Los Herreros, Schwager aus Valdemossa, Mallorca, der über 50 Jahre dem Institut der Balearen vorstand, sowie der Entomologe und Molluskenforscher aus Mahòn auf Menorca, Francesco Cardona i Orfila und Giovanni Pitré, Arzt, Ethnologe, Linguist und Begründer des ethnografischen Museums in Palermo, der Spezialist für sizilianische Volkstradition, der Ludwigs umfassende Beschreibungen von Ustica und der Liparischen Inseln durch wertvolle Hinweise unterstützte. Die zweite Gruppe hingegen wird von jenen Mitarbeitern gekennzeichnet, die Ludwig Salvator mit der Abfassung selbstständiger Beiträge betraute, die dann im Rahmen seiner Werke gesondert genannt erschienen. Diese waren beispielsweise der deutsche Käferexperte Ludwig W. Schaufuß, Antonio Borzi, Professor der Botanik an der Universität in Palermo, Carlo Marchesetti (Botaniker und langjähriger Direktor des Triestiner Naturhistorischen Museums) Giuseppe Botti (Direktor des Archäologischen Museums in Alexandriens und Leiter zahlreicher Ausgrabungen) Wilhelm Dörpfeld (Architekt, Archäologe und Mitarbeiter Heinrich Schliemanns auf Troja) der berühmte Höhlenforscher Édouard Alfred Martel und der bekannte Mineraloge und Petrograf Friedrich Becke, Professor an den Universitäten von Prag und Wien und späterer Generalsekretär der Akademie der Wissenschaften in Wien.

Wesentlicher Anteil der grafischen Gestaltung der Bücher kommt den verschiedenen xylografischen wie zinkografischen Anstalten in Wien und Prag zu, die für die druckreife Umsetzung der Federzeichnungen und Aquarelle Ludwig Salvators wie auch in späteren Jahren auch der von seinem Vertrauten, Freund und Sekretär, dem Mallorquiner Antonio Vives gemachten Fotografien sorgten. Besonders sei vor allem der Landschaftsmaler und Radierer Friedrich Havránek erwähnt, der zahlreiche Illustrationen Ludwig Salvators, darunter auch jene für die „Balearen“ und die „Liparischen Inseln“ entweder selbst auf Holz übertrug oder deren Vorbereitung für den Druck überwachte.

Dem Credo Ludwig Salvators folgend sollte die Wissenschaft vor allem dem Wohle der Menschheit dienlich sein. Kenntnisse und Erkenntnisse sollten der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden und zu deren Nutzen sein.

(Zitiert aus der Ausstellungsbroschüre „EH Ludwig Salvator – Ein Leben für die Wissenschaft“ von Dr. Brigitta Mader mit freundlicher Genehmigung des Öst. Staatsarchivs)