Ludwig Salvator

ERZHERZOG LUDWIG SALVATOR Der Prinz des Mittelmeeres

LUDWIG - SALVATOR - GESELLSCHAFT

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Benzert

Druck und Verlag:   Heinrich Mercy, Prag
Erschienen:                 1897

Gr. Quart. XI und 70 Seiten. 35 Tafeln und 1 farb. Karte.

Neuerliche Beschreibung der tunesischen Hafenstadt Bizerta, in deren Umfeld die seit 1881 regierende französische Kolonialmacht – den seinerzeitigen Gedanken Ludwig Salvators folgend – den bedeutendsten Hafenplatz Nordafrikas geschaffen hatte. Betrübt stellt er jedoch den „allmählich schwindende Zauber der alten maurischen Stadt“ fest.

 

AUS DER BIOGRAFIE LEO WOERLS MIT ORIGINALZITATEN:

Bereits vor 18 Jahren hatte der weitblickende fürstliche Reisende ein Werkchen über Bizerta und seine Zukunft veröffentlicht, in dem er auf die hohe Wichtigkeit dieses tunesischen Hafens infolge der natürlichen Vorzüge desselben hinwies und dem damals noch weltabgeschiedenen Bizerta unter gewissen Bedingungen eine wichtige Rolle im Aussenhandel Tunesiens prophezeite. Durch den Erzherzog aufmerksam gemacht, haben die Franzosen den Hafen von Bizerta zu einem Kriegshafen ersten Ranges gemacht. Nun verfällt allmählich die maurische Stadt von ehemals und die französische „Compagnie du Port de Bizerte“ baut und parzelliert, schafft neue Einrichtungen, regt den Unternehmungsgeist an. Eine Zukunft will da erwachen, wo früher die tiefste orientalische Indolenz alles verkommen liess. Der scharfe Blick des Erzherzogs, dass Bizerta eine bedeutende Zukunft habe, ist Wirklichkeit geworden und mit einem Gefühl innerer Befriedigung ankerte derselbe 1896 neuerdings mit seiner Yacht in der Sebrabucht. Statt der bisher offenen, den Nord- und Ostwinden völlig preisgegebenen Rhede war ein geräumiger, idealer Hafen geschaffen, in dem nun Hunderte von Schiffen so geschützt wie in den Lagunen von Venedig ankern können.

Lebhaft beschäftigt mit der Besichtigung der neuen, grossartigen Bauten und angelockt von dem allmählich schwindenden Zauber der maurischen Stadt, verbrachte der Erzherzog daselbst längere Zeit und veröffentlichte die wissenschaftlich sehr beachtenswerte, mit vielen Federzeichnungen eigner Hand und einer vorzüglichen Karte versehene Monographie des seit 1881 von den Franzosen besetzten Hafens von Benzert, „als einen Tribut der Anerkennung für das Grosse und Nützliche, was daselbst von fremden und einheimischen Kräften durch den Weitblick und die Munificenz der Regierung, sowie durch kühnen Unternehmungsgeist geschaffen worden ist.“

In seinem Buche über Benzert schreibt der Erzherzog:
„Mir war jedes Land ein Bild und Benzert kommt mir stets vor wie ein Traum aus dem fernen Osten an den Ufern des Mittelmeeres; wie ein orientalisches Venedig, welches fesselt und bezaubert zugleich. Man muss es wohl gekannt haben mit seinen glatten Kanälen, in welchen die Felucken bei der Abendbrise in die dunkle Bläue hinaussegelten, wo sich des Nachts die Tausende von Lichtern der Kaffeehäuser, der Bazars und der geheimnisvollen vergitterten Häuser spiegelten, gleichsam ein Funkeln des Meeres. Es schien mir jedes Mal, als könnte ich den Becher der Wonne nie ausschlürfen; – Wochen vergingen mir in Benzert, aber sie waren mir zu kurz. Das Leben schlummert wie in Venedig in traumgleicher Stille dahin, es ist ein Platz wie geschaffen zum Genusse und doch, welche Wunder schuf nicht Venedig, und was kann nicht das Bizerta der Zukunft zur Geltung bringen! – – – Ja, es ist Venedig mit seinem Zauber, ohne den Reichtum der Architektur, aber mit der Poesie des Orients.“

Es folgt die Schilderung des bunten Volksgemisches und der bunten Trachten, des lebhaften Treibens in den farbenprächtigen Bazaren, wo prächtige orientalische Waren aller Art neben heimischen Bodenprodukten ausgelegt sind; der alten Stadt mit ihren Bogengassen, ihrer zinnengekrönten Mauer, der Thore und Plätze, welche nebst reizenden Strand- und Hafenbildern durch die beigegebenen feinen Federzeichnungen wirkungsvoll vor Augen geführt werden. Eine schöne, mit Terebinthenbäumen bepflanzte Allee führt längs des innern Hafens nach der Anlage der zukünftigen Stadt:

„In der ganzen Neustadt sind die Avenuen und Gassen nach einem Gesamtplane traciert, breit, so dass die Seebrise frei eindringen kann, gut macadamisiert und von Trottoirs eingefasst. . . . Mehrere eiserne Brunnen, aus denen man durch einfaches Drücken treffliches Trinkwasser erhält und die von der ergiebigen Wasserleitung gespeist werden, sind neulich in diesen Zukunftsstadtteil gesetzt worden. Mit einem Wort: es sind alle Massregeln getroffen worden, um aus der Neustadt eine so angenehme Stadt zu machen, wie die schönsten des nordafrikanischen Litorals. . . . Manche glauben, dass das milde Klima und die Schönheit des Landes aus Bizerta eine Rivalin der Winterstationen der Côte d’Azur machen werden. So ziemlich im Zentrum der zukünftigen Neustadt ist ein öffentlicher Garten. . . . Neben dem Garten steht das elegante Post- und Telegraphengebäude mit breiter, bequemer Halle, und das grosse, im Bau begriffene Schulgebäude für Knaben und Mädchen. . . . die öffentlichen Bauten stehen aber da, gleichsam wie Meilenzeiger der Zukunftsstadt. Zuerst das Tabakmonopol-Gebäude, dann ein schlichter Bahnhof, dem gegenüber grosse Magazine. Daneben ist der elegante, moderne Bau der Douane in maurischem Stile, mit einer Halle von drei Hufeisenbogen, und zwei Seitentrakten. Dem Landungsplatz der Dampfer gerade gegenüber steht das elegante Gasthaus Hôtel Métropole, gleichfalls in maurischem Stile, mit einer Bogenhalle. Von der Terrasse desselben hat man, da es das höchste Gebäude der Neustadt ist, eine herrliche Aussicht über die Mündung des Kanals. . . . Recht gut gelegen, unweit vom Pilotenposten, steht in schöner Lage am Anfang des Kanals das Residenzgebäude des französischen Kommissärs; ein eleganter luftiger, in modernem französischen Geschmacke errichteter Bau, von dem aus man das ganze Leben und Treiben des Hafens übersieht.“