Ludwig Salvator

ERZHERZOG LUDWIG SALVATOR Der Prinz des Mittelmeeres

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Giuseppe Pitré

ÜBERBLICK

PROF. Giuseppe Pitré

22.10.1841 (Palermo) – 10.4.1916 (Palermo)

Prof. Giuseppe Pitré war ein italienischer Arzt, Schriftsteller, Sammler, Volkskundler und Hochschullehrer. Er unterstützte Ludwig Salvator bei dessen monografischer Arbeit über die Liparischen Inseln und korrespondierte viele Jahre mit dem Erzherzog.

Pitré wuchs im Borgo, einem Stadtteil von Palermo auf. Mit dreizehn Jahren trat er in das Jesuitenkolleg in Palermo ein, später kämpfte er als Freiwilliger in der Marine unter Garibaldi. Nachdem er 1865 das Medizinstudium abgeschlossen hatte, widmete er sich neben seinem Arztberuf der Literatur. Während er sich in Palermo mit seiner Kutsche von Patient zu Patient fahren ließ, verfasste er in seinem «ambulanten Studierzimmer» wissenschaftliche Studien zur italienischen Folklorekultur und erledigte seine umfangreiche Korrespondenz.

Pitrè stellte von 1871 bis 1913 sein Hauptwerk – die „Biblioteca delle tradizioni popolari siciliane“ (Bibliothek sizilianischer Volkstraditionen) – zusammen, die eine Sammlung sizilianischer Dialektkultur in 25 Bänden umfasst. Zudem schrieb er Essays über Goethe in Palermo und über die Göttliche Komödie. Pitrè heiratete 1877 Francesca Vitrano. Zusammen hatten sie drei Kinder.

In Florenz veröffentlichte Pitrè 1885 eine Sammlung toskanischer Geschichten. Er gründete zusammen mit Vincenzo Di Giovanni und Salvatore Salomone Marino (1847–1916) die Zeitschrift „Archivio per lo studio delle tradizioni popolari“ und leitete diese bis kurz vor seinem Tod. 1894 veröffentlichte er eine grundlegende Bibliographie italienischer Volkstraditionen. Pitrè wurde 1890 zum Ehrenmitglied der neu gegründeten American Folklore Society ernannt.

Für seine herausragende Forschung über die sizilianischen Traditionen wurde Pitrè 1903 zum Präsidenten der „Königlichen Akademie der Wissenschaften“ von Palermo und für seine Verdienste am 30. Dezember 1914 zum Senator des Königreichs ernannt. Zudem war er Präsident der Società Siciliana per la Storia Patria (Sizilianische Gesellschaft für vaterländische Geschichte). Pitrè wurde 1909 als ständiges Mitglied in die Accademia della Crusca gewählt. In Palermo gründete er das größte Volkskundemuseum Siziliens, das „Museo Etnografico Siciliano Giuseppe Pitrè“.

In Sizilien gründete Pitrè den Studiengang Demopsicologia („Psychologie der Völker“), wie er die Folklore selber bezeichnete, und lehrte an der Universität Palermo.

Er gilt als wichtigster Verfasser und Gelehrter des späten 19. Jahrhunderts für die volkstümlichen Gebräuche Siziliens. In diesem Zusammenhang lernte er auch Ludwig Salvator kennen, der Pitré im Zuge der Erstellung seiner 8-bändigen Monographie über die Liparischen Inseln kontaktierte. Es entwickelte sich daraus eine langjährige Zusammenarbeit und wertschätzende Freundschaft.

Nach Giuseppe Pitrè ist der vom Centro internazionale di Etnostoria in Palermo in Zusammenarbeit mit dem Museum verliehene Pitrè-Preis (Premio Pitrè) benannt, eine der weltweit renommiertesten Auszeichnungen für Ethnologen.