Ludwig Salvator

ERZHERZOG LUDWIG SALVATOR Der Prinz des Mittelmeeres

LUDWIG - SALVATOR - GESELLSCHAFT

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Königin Maria Karolina

13.8.1752 ( Wien) – 8.9.1814 (Hetzendorf bei Wien)

 

Erzherzogin Maria Karolina von Österreich war die Urgroßmutter Ludwig Salvators mütterlicherseits und als Gattin Ferdinands I. von Neapel-Sizilien Königin von Neapel-Sizilien. Berühmtheit erlangte sie durch ihr politisches Wirken und ihren Kampf gegen Napoleon. 

Sie war die dritte Tochter von Kaiser Franz I. Stephan von Lothringen und seiner Gemahlin Maria Theresia sowie Schwester der späteren Kaiser Joseph II. und Leopold II. Ihre Schwester Marie Antoinette wurde durch die Heirat mit Ludwig XVI. französische Königin. Maria Karolina war wie ihre Mutter sehr durchsetzungskräftig und für ihre Erzieher nicht einfach zu bändigen. Im Sinne der erfolgreichen habsburgischen Heiratspolitik wurde sie als zukünftige Gattin des spnisch-sizilianischen Bourbonen Ferdinand I. auserkoren, den sie 1768 heiratete.Das Herrschaftsgebiet Neapel-Sizilien setzte sich aus dem Königreich Neapel und dem Königreich Sizilien zusammen. Die beiden Königreiche wurden in Personalunion regiert. Ferdinand I. von Neapel-Sizilien war folglich König Ferdinand IV. von Bourbon-Neapel und zugleich Ferdinand III. von Bourbon-Sizilien. Erst am 8. Dezember 1816 vereinigte er die getrennten Königreiche zum Königreich beider Sizilien und nannte sich ab der Verschmelzung der Monarchien Ferdinand I., König beider Sizilien.

Obwohl Maria Karolina sich nur schwer an das Eheleben und die Situation am neapolitanischen Hof gewöhnte und sich das ungleiche Paar alles andere als gut verstand, begann sie schon bald zu fragen, weshalb das Land so zurückgeblieben war. Das Volk von Neapel-Sizilien litt unter Armut und der Dominanz von Adel und Klerus. König Ferdinand I. von Neapel-Sizilien war zu schwach, um sich vom politischen Einfluss seines Vaters, König Karl III. von Spanien, zu befreien und eigenständig die Regentschaft über Neapel-Sizilien zu übernehmen. So wurde das Land mehr und mehr zugunsten Spaniens ausgebeutet.

Maria Karolina versuchte geschickt die Eigenständigkeit von Neapel-Sizilien zu fördern und seine Abhängigkeit von Spanien zu mindern, indem sie immer mehr Einfluss auf ihren Gatten und dessen Regierung nahm. Nach der Geburt ihres Sohnes Francesco I. Gennaro, des zukünftigen Königs, wurde der Einfluss von Maria Karolina auf ihren Gemahl so stark, dass sie 1776 den Ersten Minister Bernardo Tanucci aus dem Amt zu drängen vermochte. Seinen Platz im Kronrat nahm die Königin sodann selbst ein. In ihrer politischen Tätigkeit zeigte Maria Karolina zwei Eigenschaften, die sie von ihrer Mutter Maria Theresia geerbt hatte: hohe Intelligenz und Ehrgeiz. Maria Karolina führte die bereits begonnene Reformpolitik fort, schränkte die Vorrechte von Adel und Klerus ein (ohne diese ganz abzuschaffen), bemühte sich um eine gerechtere Verteilung der Steuerlasten und versuchte, die Armut auf dem Lande zu lindern. Mit diesen Maßnahmen – und allein durch die bloße „Unerhörtheit“ ihrer Einflussnahme in die Politik – machte sie sich nicht nur Freunde, sondern erweckte das Misstrauen von Spanien, Frankreich und später auch von England. Napoleon nannte sie einmal „die gefährlichste Frau Europas“.

Als die Französische Revolution ausbrach, befürchtete Maria Karolina aufgrund der großen Armut des Volkes eine Revolution im eigenen Land. Die Sympathien, die sie während der Revolution für die Jakobiner gehegt hatte, verwandelten sich nach der Ermordung ihrer Schwester Marie Antoinette und ihres Schwagers Ludwig XVI. von Frankreich im Jahre 1793 in Hass und Abneigung gegen das neue Regime in Frankreich. Aus diesem Grund trat sie im Jahre 1793 der ersten Koalition gegen Frankreich bei, der auch England, Österreich, Preußen, die Niederlande, das Königreich Sardinien und Portugal angehörten. In einem Brief an ihren Neffen (und damals auch Schwiegersohn), Kaiser Franz I. von Österreich schrieb sie, sie werde niemals das Schicksal Marie Antoinettes erleiden.Die französische Revolution löste im Königreich Neapel-Sizilien zwar keinen Volksaufstand aus, doch förderte sie die Bildung von republikanischen Gemeinschaften und heizte die antiroyalistische Stimmung im Bürgertum an, während die konservative bäuerliche Bevölkerung zumeist königstreu blieb. 

Die Lage in Europa schien sich zu entspannen, als die treibende Kraft der Revolution, Robespierre, im Juli 1794 gestürzt und hingerichtet wurde. Nach den ersten Schrecken der Französischen Revolution wurde Maria Karolina mit einer neuen Gefahr konfrontiert, die von General Napoleon ausging. Bonaparte hatte im Jahre 1795 als Belohnung für die Niederschlagung eines royalistischen Aufstandes in Paris den Oberbefehl über die französischen Truppen in Italien erhalten. Nach der Annexion von Nizza und Savoyen und der Vertreibung der Königsfamilien aus der Lombardei und der Toskana, näherten sich seine Truppen der Südspitze Italiens. 

Maria Karolina war sich der Folgen bewusst, die ein Krieg zwischen der schlecht organisierten neapolitanischen Armee und der gut ausgerüsteten französischen Streitmacht nach sich ziehen würde und willigte schließlich in einen Sonderfrieden mit Frankreich am 10. Oktober 1797 ein.

Napoleon richtete sein Auge auf Neapel-Sizilien, da er das Herrschaftsgebiet im Mittelmeer als eine vorteilhafte strategische Position ansah. Im Jahre 1798 entschied sich das Königspaar von Neapel-Sizilien vorsorglich, der zweiten Koalition gegen Frankreich beizutreten. Im November des gleichen Jahres drang eine neapolitanische Armee bis nach Rom vor; sie wurde von den Franzosen vernichtend geschlagen. Inzwischen war Napoleons Flotte vor der ägyptischen Küste in der Seeschlacht bei Abukir (1. August 1798) durch den englischen Admiral Horatio Nelson entscheidend besiegt worden. Zu Lande siegten hingegen die Franzosen. General Jean-Étienne Championnet besetzte im Januar 1799 Neapel. Die königliche Familie war schon Ende Dezember 1798 nach Sizilien geflohen. Im sizilianischen Exil verfolgte Maria Karolina die politischen Entwicklungen in Neapel.Am 24. Januar 1799 wurde in Neapel die Parthenopäische Republik durch die französischen Truppen unter Führung von General Championnet ausgerufen. Parthenope war ein alter Name für Neapel und sollte die wiedergewonnene Freiheit des neapolitanischen Volkes ausdrücken. Während der republikanischen Periode wurde eine Regierung installiert, Ercole D’Agnese zum Präsidenten gewählt, die Pressefreiheit ausgerufen und zukünftige Reformen vorbereitet. 

Die junge Republik wurde zunehmend von der königlichen, großteils aus bäuerlichen Freiwilligen rekrutierten Armee bedrängt, der „Armata cristiana e reale“ (Christliche und königliche Armee), auch genannt „Esercito cristiano della Santa Fede“ (Christliches Heer des Heiligen Glaubens), den Sanfedisti, unter der Führung von Kardinal Fabrizio Ruffo. Nach knapp fünf Monaten endete die Parthenopäische Republik am 13. Juni 1799 nach dem Einmarsch der königlichen Armee in Neapel.

Der Zusammenbruch der Republik war auch der englischen Flotte zu verdanken, die die königliche Armee mit Waffen versorgt hatte. Wiederum hatte Admiral Nelson dazu beigetragen, Neapel-Sizilien von den Franzosen zu befreien und dem Königspaar den Thron zu sichern. Admiral Nelson wurde in den folgenden Jahren ein wichtiger Ratgeber des königlichen Paares und Maria Karolina fand in Emma Hamilton, der Geliebten Nelsons, eine enge Freundin.

Im Juni 1800 reiste Maria Karolina mit ihren drei unverheirateten Töchtern, ihrem jüngeren Sohn Leopold und in Begleitung Nelsons sowie des abberufenen Diplomatenehepaares Emma und William Hamilton über Livorno, Florenz, Triest und Laibach nach Wien, wo sie zwei Monate später ankam. Im Rahmen von Heiratsverhandlungen blieb Maria Karolina zwei Jahre lang in Wien und versuchte ihre zahlreichen Kinder vorteilhaft zu verheiraten. Im Familienkreis verbrachte sie die meiste Zeit mit ihrer Lieblingsenkelin, Marie Louise von Österreich, der späteren Ehefrau ihres Erzfeindes Napoleon.

Nach dem Aufenthalt in Wien kehrte sie am 17. August 1802 wieder nach Neapel zurück. Die europäischen Staaten verfolgten die Machtzuwächse von Napoleon, die mit der Bestimmung Napoleons zum französischen Kaiser am 18. Mai 1804 ihren Höhepunkt erreichten, mit Sorge. Im Jahre 1805 wandte sich Napoleon wieder Italien zu; er krönte sich mit einer Krone mit der Inschrift Rex totius Italiae (König ganz Italiens). Im dritten Koalitionskrieg eroberte er Neapel und setzte zuerst seinen Bruder Joseph Bonaparte und vier Jahre später seinen Schwager Joachim Murat auf den Thron von Neapel. 

Die königliche Familie war gezwungen, im Februar 1806 nach Sizilien zu flüchten. Auf Druck der britischen Regierung dankte Ferdinand I. von Neapel-Sizilien 1812 zugunsten seines Sohnes Francesco I. Gennaro ab. Die Königin wurde aufgefordert, Sizilien zu verlassen und zu ihrer Familie nach Wien zurückzukehren.

Noch auf der Reise erreichte sie die Mitteilung über die Niederlage Napoleons in der Völkerschlacht bei Leipzig am 19. Oktober 1813. Nach einer längeren Reise über Konstantinopel, Odessa, Lemberg und Budapest erreichte Maria Karolina schließlich im Januar 1814 Wien, wo sie sich bei Fürst Metternich und ihrem Neffen Franz I. von Österreich für die Wiedererlangung des neapolitanischen Thrones einsetzte. Im September 1814 – noch vor der endgültigen Verbannung Napoleons und Rückgabe des Thrones an ihren Sohn Francesco I. im Rahmen des Wiener Kongresses – starb sie auf Schloss Hetzendorf bei Wien an einem Schlaganfall. 

Mit ihrem Gatten hatte sie insgesamt 18 Kinder gezeugt, von denen nur sechs das Erwachsenenalter erreichten.